Veröffentlicht am 17. August 2026

Wir sprechen ständig über Zölle.
Ich glaube: Das eigentliche Wettrennen läuft längst woanders.

Es geht nicht mehr nur um Produkte.
Es geht um Wissen. Genauer gesagt: um den Zugang zu Wissen.

Genau hier verändern sich gerade die Spielregeln für den europäischen Einkauf.

China hat den Transfer sensibler Technologien und von Know-how ins Ausland mit neuen Regelungen deutlich eingeschränkt. Unternehmen dürfen dieses Wissen künftig nur noch unter strengen staatlichen Vorgaben weitergeben.

Für mich ist das weit mehr als ein weiteres Handelshemmnis.

Es markiert das Ende einer Strategie, auf die sich viele europäische Unternehmen über Jahrzehnte verlassen konnten. Lange war die Rollenverteilung klar: Europa brachte Technologien und Fertigungswissen nach China. Wer dort produzieren wollte, musste sein Know-how teilen. China nutzte dieses Wissen, entwickelte es konsequent weiter und zählt heute in Bereichen wie Batterietechnologie, Elektromobilität oder Künstlicher Intelligenz zu den Innovationsführern.

Und genau jetzt verändert sich die Richtung des Wissenstransfers.

Der Zugang zu diesem technologischen Know-how wird schwieriger. Das betrifft nicht nur einzelne Unternehmen, sondern die Wettbewerbsfähigkeit ganzer Industrien.

Deshalb beobachte ich in vielen Einkaufsprojekten eine Entwicklung, die mir zunehmend Sorgen bereitet.

Noch immer wird der Einkauf häufig vor allem über Preise, Einsparungen und Konditionen definiert. Das bleibt wichtig – reicht aber nicht mehr aus. Die entscheidende Frage lautet heute nicht mehr:
„Wo kaufen wir günstiger ein?“

Sondern:

„Wie sichern wir uns dauerhaft den Zugang zu Technologie, Innovation und Know-how?“

Damit verändert sich aus meiner Sicht die Rolle des Einkaufs grundlegend.

Der Einkauf entwickelt sich von einer klassischen Kostenfunktion zu einer strategischen Zukunftsfunktion. Er entscheidet immer häufiger mit darüber, welche Technologien einem Unternehmen langfristig zur Verfügung stehen, wie resilient die Lieferkette ist und wie unabhängig sich ein Unternehmen in kritischen Bereichen aufstellen kann.

Das verändert auch die Anforderungen an die Lieferantenbewertung.

Neben Preis, Qualität und Lieferfähigkeit gewinnen neue Kriterien an Bedeutung:

  • Welche technologische Kompetenz bringt ein Lieferant mit?
  • Wie innovativ ist er?
  • Welche Abhängigkeiten entstehen?
  • Welche strategischen Partnerschaften sind sinnvoll?
  • Welches Wissen sollten wir bewusst selbst im Unternehmen aufbauen?

Ich bin überzeugt, dass erfolgreiche Einkaufsorganisationen künftig deutlich breiter denken müssen. Themen wie resiliente Beschaffungsstrategien, gezielter Know-how-Aufbau und langfristige Technologiepartnerschaften werden zu zentralen Bestandteilen einer modernen Einkaufsstrategie.

Vielleicht besteht genau darin der größte Wandel.

Der Einkauf sichert heute nicht mehr nur die Versorgung eines Unternehmens. Er sichert zunehmend dessen Zukunftsfähigkeit.

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